23.07.2014. Demokraten im Widerstand - Die SPD und der 20. Juli 1944

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Im niedersächsischen Landtag hielt Helmuth Graf von Moltke die Ansprache „Die Frucht des Deutschen Widerstands“ – in Erinnerung und zum Wachhalten der Erinnerung an den 20. Juli 1944. Ich will als Vorsitzende der sozialdemokratischen Landtagsfraktion und als Bezirksvorsitzende der SPD Weser-Ems an dieser Stelle bewusst auch an den sozialdemokratischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus erinnern.

Willy Brandt hat das vor 35 Jahren in einer Rede folgendermaßen formuliert: „Widerstand darf man ja auch nicht als spezifisch sozialdemokratisch einstufen wollen. Verfolgt, verfemt und vernichtet worden sind viele andere – bis hin zum immer noch kaum erklärbaren, millionenhaften Mord an Männern, Frauen und Kindern ihrer bloßen Herkunft wegen. Aber gewiss hat es gegeben den Widerstand und die Verfolgung vieler deutscher Sozialdemokraten, die sich – wie andere – nicht beugen mochten und sich verzweifelt auflehnten gegen die Tyrannei. Die sich nicht anpaßten, geschweige denn mitmachten. Die viel Leid auf sich und ihre Familien luden. Drinnen und draußen. Allein und mit anderen. Organisiert und unorganisiert.“ (Brandt, Willy, Deutsche Sozialdemokraten und ihr Widerstand gegen den Nationalsozialismus, in: Fetscher, Iring, Geschichte als Auftrag. Willy Brandts Reden zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Bonn, 1981, S. 192).

Dabei geht es mir nicht um ein Aufrechnen und eine Bilanzierung, welchen Anteil wer am Widerstand hatte. Auch da gilt die bereits genannte Rede von Willy Brandt. „Mut und Gewissen und Leidensfähigkeit sind keine Tugenden, die die Sozialdemokraten gepachtet hätten. Sozialdemokraten bilden sich nicht ein, sie seien durchweg bessere Menschen. Oder die Wahrheit gehöre ihnen. Oder sie seien frei von Fehlern. Der Maßstab für Widerstand ist mehr als Partei, nämlich Menschlichkeit. Widerstand gegen Terrorherrschaft war zuallererst in menschlichen Grundwerten verankert“ (ebd., S. 192/193).

Mir ist wichtig, dass wir als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten den sozialdemokratischen Widerstand nicht in Vergessenheit geraten lassen. 2013 haben wir das Jubiläumsjahr begangen – 150 Jahre SPD. Und nun ist und bleibt es richtig, die Gegenwart zu gestalten, sich der heutigen vielschichtigen Probleme anzunehmen und die Lebenssituationen heute (und hoffentlich auch für nachfolgende Generationen) zu verbessern. Insofern kann und darf die SPD keine museale Veranstaltung sein. Aber unsere Partei hat eine große Geschichte, die einen wichtigen Bestandteil ihrer Identität ausmacht. Der sozialdemokratische Widerstand und das Exil sind Teile davon! Und bei allen Gegenwartsaufgaben und tagesaktuellen Aufgaben sollten wir das auch außerhalb von Jubiläumsjahren im Blick behalten!

Johanne Modder
SPD-Bezirksvorsitzende

Link zur Rede von Helmuth Graf von Moltke:
http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Landtag-erinnert-an-Hitler-Widerstand,moltke104.html